Dienstag, 26. August 2014

Zehn Geschäftsideen zu Hartz IV - 25.08.2014

Mein Name ist Nikolaus M. von der Fa. Nätto.

Mehr als 450 Zollfahnder haben am Dienstag sechs unserer Warenzentren, Geschäftsräume und Privatwohnungen führender Mitarbeiter in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen durchsucht. Wir haben für Lagerarbeiter und Staplerfahrer illegale Scheinwerkverträge geschlossen. Dadurch sind die Leiharbeiter erheblich unter Tarif bezahlt sowie Sozialversicherungsbeiträge hinterzogen worden. 30 % weniger Lohn mussten wir dadurch bezahlen. Ein tolles Geschäft. Die Schuld für die illegalen Scheinverträge tragen natürlich nicht wir sondern eine zwischengeschaltete Leiharbeitsfirma mit der wir natürlich rein gar nichts zu tun haben. Die Arbeitskräfte liefert uns das Jobcenter. Denn wer eine Arbeit ablehnt wird vom Jobcenter sanktioniert. Ein tolles Geschäftsmodell denn der fehlende Lohn wird vom Steuerzahler übernommen als sogenannte Aufstockung. Die fehlenden Sozialleistungen werden durch Beitragserhöhungen auch von der Gemeinschaft übernommen. Den Gewinn streichen wir aber selber ein – d.h. den streicht unsere Zentrale im Steuerparadies ein. Tolles Geschäft dank Schröder und Fischer. Das waren Kerle!

Mein Name ist Karolin B. von der Fa. BAFS.

Die BAFS ist der weltweit größte Chemiekonzern mit etwa 104.000 Mitarbeitern (2009/10). Der Umsatz betrug 2009 insgesamt 50,6 Mrd. Euro, der Nettogewinn 1,4 Mrd. Ein Erfolg zu dem auch meine Idee beitrug. Ich schlug nach Einführung der AGENDA 2010 vor eine eigene Leiharbeitsfirma zu gründen. So können wir Kündigungsschutz, Tariflöhne und gewerkschaftliche Bindungen umgehen. Ein Erfolgsmodell. Sie sollten mal die Gesichter unserer Gewerkschafter sehen, wenn wir Ihnen mitteilen, dass uns jeder Zeitarbeiter ca. 30% weniger kostet. Wir sind da nicht alleine. In den letzten Jahren sind in der Industrie mindestens 80.000 Stellen gestrichen worden. Die Zahl der Leiharbeiter nahm ab 2003 von 300.000 auf über eine Million zu. Da haben die keinen Mut mehr für Lohnerhöhungen zu streiken. Jetzt bauen wir so nach und nach alle Vergünstigungen der letzten Jahrzehnte ab. Dank der AGENDA 2010 sind die Gewerkschaften und damit unsere Arbeiter so schwach wie nie vorher in der Geschichte der BRD. Wir danken Herrn Schröder und Herrn Fischer!
Diese Beiden haben Milliarden an Gewinnsteigerungen ermöglicht.

Mein Name ist Norman F. von der Fa. S-Meil:

Seit der AGENDA 2010 ist für uns ein ganz neues Geschäftsmodell entstanden. Da wir durch das Verteilen von Zeitungen schon Erfahrung hatten griffen wir mit Hilfe neoliberaler und käuflicher Politiker und dem Geld unserer Verleger das Monopol der Post an. Ein todsicheres Geschäft. Zwar kosten uns die Autos, die Logistik das Selbe wie die Post aber die Post muss Tarifverträge einhalten. Sie bezahlt ca. 14,--€ für einen Austräger, wir dagegen nur 5,-- €. Zwar haben wir jetzt Mindestlohn aber den Zahlen wir auch. Wir lassen unsere Bezirke aber so groß anlegen, dass es unsere Mitarbeiter in der regulären Zeit nicht schaffen die Post auszutragen. Wer es nicht schafft und Überstunden will wird entlassen weil er es nicht schafft. Dank den Jobcentern und der Politiker die alle Langzeitarbeitslosen öffentlich beschimpfen finden wir viele Leute die nicht Sozialschmarotzer oder Faulenzer sein wollen und für 5,-- € dann halt arbeiten. Der Staat finanziert den Rest dazu den die Leute zum existieren noch brauchen. Wir unterbieten die Post aufgrund unserer extrem niedrigen Lohnkosten bei allen Ausschreibungen und so ist das ne todsicherer Sache mit S-Mail. Heil AGENDA 2010

Mein Name ist Martina S. von der Fa. DLH.

Seit der AGENDA 2010 stehen wir unter Druck der Billiganbieter wie z.B. S-Meil. Durch hohe Tariflöhne höhere Preise. Bis wir eine Gegen-strategie gefahren sind. Im Briefbereich gründete die Post eine Billigtochter die jetzt auch beim Lohndumping mitmacht und wir haben Outgesourcet. Für jeden teuren Arbeitsplatz der frei wird setzen wir ein Fremdunternehmen ein. Diese Firmen arbeiten mit Zeit oder Leiharbeiter oder mit Werkverträgen und fahren unsere Pakete dann ebenso billig aus wie unsere Lohndumping Konkurrenten. Das dabei tausende gut bezahlte Arbeitsplätze einfach wegfallen ist bis jetzt niemandem so richtig aufgefallen. Aber ist doch logisch. Wenn einer mit Lohndumping anfängt müssen die anderen doch mitziehen und ganze Branchen fallen in den Niedriglohnbereich. Das ist im Einzelhandel, im Pflegebereich, in der Logistikbranche einfach überall so. Dank der AGENDA 2010 der SPD und Grünen wird Dienstleistung in Deutschland immer billiger. Die Jobcenter zahlen den fehlenden Lohn dann drauf. Also finanzieren sich ganze Branchen über Steuergelder. Sind dann erfolgreiche Newcomer und keine Sozialschmarotzer - oder?

Mein Name ist Vurla K. von der Fa. Tännies.

Dumpinglöhne, Ausbeutung von Arbeitnehmern aus Osteuropa, Missbrauch von Werkverträgen und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen: Die Zustände in Schlachthöfen und anderen Betrieben der deutschen Fleischindustrie sind stark in Verruf geraten. Wir verhandeln jetzt aber schnell noch einen eigenen Mindesttarif damit der gesetzliche Mindestlohn erst in ein paar Jahren greift. Zuerst das Geschrei mit den Tiertransporten nach Südeuropa und jetzt das Geschrei mit den Menschentransporten aus Süd-Ost Europa. Niemand kann man es recht machen. Wir haben es geschafft in Deutschland so billig zu schlachten wie kein anderes Land in der EU. Wir karren keine Tiere mehr Quer durch Europa sondern Menschen. Die bringen wir in Baracken oder Abbruchhäuser unter und die Immobilienbesitzer machen auch noch nen tollen Reibach. Wir sparen dem Staat noch einiges ein, denn unsere Werkvertragsarbeiter belasten die Sozialkassen nicht. Weder Kranken- noch Renten-versicherung zahlen wir für Die. Und so bekommen sie auch nie was aus Sozialkassen. Wenn sie nicht mehr funktionieren einfach zurück wo sie herkommen und fertig. AGENDA 2010 ist Toll.

Mein Name ist Dr. H. von der Uniklinik Diebengen.

Mit der Kommerzialisierung von medizinischen Leistungen fing es an. Die Uniklinik wurde, trotz Lehrauftrag, mit anderen privaten Kliniken in Konkurrenz gestellt. Obwohl wir immer den Spagat zwischen Daseinsvorsorge und Kommerz machen müssen hat uns die AGENDA 2010 Tür und Tor geöffnet um große Bereiche unserer Uniklinik in den Dumpinglohnsektor zu überführen. Wir gründeten eine Dienstleistungsfirma mit Namen UDO. Die dort Beschäftigten unterliegen nicht unserem Verdi Tarifvertrag. Für viele war es hart, plötzlich vor der Wahl zu stehen ca. 30% weniger zu verdienen oder zu gehen. Aber auf menschliche Schicksale konnten wir keine Rücksicht nehmen. Die Sparpolitik in Deutschland zwang uns dazu und die AGENDA Politik ermöglichte es uns.
Wie viel weniger an Lohnsteuern oder Sozialversicherungsbeiträge durch Lohndumping eingenommen werden wurde noch nie richtig publiziert. Gott sei Dank. Sonst würden unser Modell und die Modelle vieler anderer gar nicht funktionieren. Was wir zu wenig zahlen, zahlt der Steuerzahler über Aufstockung mit Hartz IV drauf.
Wir sind deshalb aber nicht die Sozialschmarotzer sondern gute Verwaltungskräfte oder?

Mein Name ist Roberta M. vom Tabglatt.

Das Zeitungssterben ist in aller Munde. Wir vom Tabglatt tun etwas dagegen. Wir drücken die Gehälter unserer Angestellten, wir arbeiten mit vielen Volontären und mit vielen freien Mitarbeitern. Durch Hartz IV können wir viel weniger bezahlen. Reicht den Volontären oder den freien Mitarbeitern das Bezahlte nicht aus gehen sie zum Job Center. Der Staat sorgt dafür, dass sie trotzdem das Lebensnotwendige erhalten. Wir als Zeitung müssen uns keinen Kopf mehr darüber machen. Sicher ist es seltsam, dass wir den Staat mitzahlen lassen für unser Geschäftsmodell. Aber uns wirf ja keiner vor Sozialschmarotzer oder Faulenzer zu sein. Dies trifft ja diejenigen die wir nicht gut genug bezahlen. Dadurch halten Die dann dicht. Sie outen sich nicht als Hartz IV Aufstocker und das ist gut so. Würden sie sich nicht schämen und dieses Geschäftsmodell käme an die Öffentlichkeit hätten wir und viele andere Unternehmen ein großes Problem. Wir bilden ja durch unsere Artikel die öffentliche Meinung und so wird das von unserer Seite nicht rauskommen. Es hat ja auch keiner gemerkt wie wir wochenlang unsere Brieffirma pleite gehen ließen als der Mindestlohn eingeführt wurde. Jede Woche eine!

Mein Name ist Lorenzo M. von der Firma Mencerdes

Wir bauen die teuersten Autos der Welt. Als wir zu wenige Arbeitskräfte in Stuttgart hatten, boten wir höchste Löhne für beste Autos. Die Zeiten sind vorbei. In den letzten Jahren sind Millionen Facharbeiterjobs in der Industrie weggefallen. Hat nur keiner gemerkt weil gleichzeitig Millionen Billigjobs und Teilzeitjobs entstanden sind. Dabei sank die sozialversicherungspflichtige Vollzeit-beschäftigung im Zeitraum 2000 – 2011 von 23,9 auf 22,7 Millionen Beschäftigte. So war das Arbeitsvolumen 2012 trotz gestiegener
Erwerbstätigkeit geringer als 1991. Das gab uns natürlich Spielraum für Lohnsenkungen. Aber wie. Wir machten Stimmung gegen den Sozialstaat und unterstützten die Sozialdemokratie bis Schröder an die Macht kam. Im Gegenzug setzte er die AGENDA 2010 durch. Dies hätten wir mit CDU/CSU nie geschafft, weil die Gewerkschaften dann auf die Barrikaden gegangen wären. Jetzt können wir locker billigere Leiharbeiter einstellen und noch viel billigere Werkverträge abschließen. Das hat unsere Gewinne enorm gesteigert. Die Leiharbeiter bekommen Unterstützung vom Staat und unsere Gewinne sind Dank Schröder und SPD auch noch geringer besteuert als früher. Vielen Dank an alle.

PS: Es sind leider nicht alle 10 Firmen angekommen. Die Fa. Stadt Reutlingen konnte keinen Vertreter schicken und die Fa. Rael hat uns ihren Redebeitrag nicht überlassen.

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